BEITRAG

Im Interview bei Mario Cristiano

Mario Cristiano unterstützt Führungskräfte in mittelständischen Unternehmen. Dabei geht es ihm immer auch um werteorientierte Führung. Wie wir das bei easySoft umsetzen, hat er mich in seinem Interview gefragt.

1. Ihre Kernwerte im Unternehmen sind u.a. Bestleistung, Menschlichkeit und Entwicklung. Ist das für viele nicht ein Widerspruch? Und wie lässt sich ein Werteverständnis ganz praktisch im Unternehmen umsetzen?

Unsere Kernwerte Bestleistung, Menschlichkeit und Gesundheit, Wachstum und Entwicklung empfinde ich nicht als Widerspruch. Diese Werte sind meine Werte, für die ich stehen möchte, und die auch in unserem Unternehmen gelten. Sie passen für mich ideal zusammen, denn ich glaube wir Menschen wollen von Grund auf wirksam sein und unser Bestes geben. Das heißt nicht, dass jeder perfekt ist. Es ist menschlich, Fehler zu machen. Aber es ist wichtig, dass wir unser Bestes geben. Dazu bringe ich bei meinen Mitarbeitenden immer folgendes Beispiel: „Stell Dir vor, Du schreibst einen Brief an einen Kunden. Du bist gerade am Kuvertieren. Dabei fällt Dir auf, dass ein Tippfehler drin ist. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Schnell zumachen, wegschicken, fertig. Oder noch mal an den Computer, Fehler korrigieren, noch mal ausdrucken, schauen, ob alles passt und dann wegschicken. In unserem Unternehmen möchten wir das Zweite. Das Gleiche gilt für den Wert Menschlichkeit. Darunter verstehen wir, das Füreinander und Miteinander zu fördern. Ich habe meine Arbeit, aber ich sehe auch meine Kolleginnen, meine Kund*innen.

1994 haben wir gegründet, im Jahr 2008 stand das Unternehmen quasi vor dem Aus. Da bin ich auf die Thematik Werte gestoßen. Als Unternehmer müssen wir die DNA unseres Unternehmens bestimmen. So haben wir als Geschäftsführung die Werte vorgelegt, wie wir als Unternehmen sein möchten. Es reicht aber nicht, Werte zu definieren und ab und an mal darüber zu sprechen. Bill Hybels hat ein Buch über Führung geschrieben. Darin schreibt er „es reicht nicht, Weihnachten über Werte zu erzählen. Das ist im Januar bereits wieder vergessen. Das Thema Werte muss ständig erhitzt werden wie mit einem Bunsenbrenner unter dem Brennglas.“ Damit die Werte im Unternehmen ständig präsent sind, haben wir zu den verschiedenen Kernwerten Geschichten entwickelt wie das Beispiel mit dem Brief und dem Tippfehler.

Ich bin überzeugt, dass tagtäglich in jedem Unternehmen gute Dinge passieren. Wir sehen es als unsere Aufgabe, diese in unserem Wiki zu veröffentlichen, sie ans Schwarze Brett zu heften. Es gilt, die Erfolge sichtbar zu machen. Zu Beginn haben nur wir als Geschäftsleitung positive Dinge sichtbar gemacht und am Schwarzen Brett veröffentlicht. Inzwischen kommt die Initiative von unseren Mitarbeitenden. 95 Prozent der Beispiele und Success Stories kommen inzwischen aus dem Team. Damit das so ist, sollten die Mitarbeitenden von der Geschäftsleitung und den Führungskräften immer wieder dazu ermuntert werden.

2. Sie bekennen sich klar dazu, easySoft als ein an christlichen Werten orientiertes Unternehmen zu führen. Wie gehen Sie mit Mitarbeitenden um, die mit diesen Werten nicht so viel anfangen können?

Tatsächlich orientieren wir uns an den christlichen Werten. Die zentrale Aussage von Jesus lautet „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Das ist das oberste Gebot, das er über alles stellt. Wir möchten das Füreinander und Miteinander fördern – sowohl in Bezug auf unsere Kunden als auch auf die Mitarbeitenden. Dieser Wert dient als Fundament, auf dem wir aufbauen. Wir haben viele Nationalitäten im Unternehmen und sehen, dass da alle mitgehen können. Bei uns müssen nicht alle gläubig sein, es geht vielmehr um das gemeinsame Verständnis, wie wir leben und arbeiten möchten.

Ich möchte jede Unternehmerin, jeden Unternehmer ermutigen, sich Gedanken zu machen über die Werte und Fundamente, wie man miteinander im Unternehmen arbeiten und leben möchte. Das wirkt sich positiv im Unternehmen aus. Es gibt viele Statistiken, dass sich die Unternehmenskultur mit mindestens 20 Prozent auf die Unternehmensleistung – auf Innovation und auch Kundenzufriedenheit – auswirkt. Für mich ist das ein sehr wertvoller Kreislauf.

3. Ihr Buch heißt „WERTvoll in die Zukunft. Revolutionen beginnen im Kopf.“Weshalb sprechen Sie von Revolution im Zusammenhang mit Werten?

Revolution klingt natürlich erst einmal hart. Die Definition von Revolution ist ein grundlegender und nachhaltiger Wandel von etwas. Ich stand kurz vor der Insolvenz. Es musste sich also etwas ändern, um das Segel noch mal herumzureißen. Inzwischen erzielen wir pro Jahr durchschnittlich ein Unternehmenswachstum von 17 Prozent. Was ist passiert? Was hat den Turnaround ermöglicht, dass wir uns von einem Unternehmen mit 14 Mitarbeitenden zu einem mit aktuell 90 Mitarbeitenden entwickeln konnten?

Die Veränderung hat im Kopf stattgefunden – zuerst in meinem Kopf, danach in der gesamten Geschäftsführung und schließlich im Unternehmen. Wichtig ist, dass sich Geschäftsleitung und Führungskräfte einig sind, was sie wollen. Ich habe mir damals gesagt: „Wenn ich es schaffe, dass alle drei Geschäftsführer im gleichen Boot sitzen, schaffe ich auch die Revolution meines Unternehmens.“

4. Sie haben unzählige Arbeitgeberpreise abgeräumt, Tob Job, Great Place to Work, Arbeit Plus sind nur einige. Wie schafft man das neben dem ganzen Tagesgeschäft?

Wir wollten es! Wir hatten das Ziel ganz oben auf unsere Vision, unsere Mindmap geschrieben. „Wir wollen zufriedene Mitarbeitende und wir wollen Arbeitgeberpreise gewinnen.“ Es war auch hier ein Prozess von mehreren Jahren, bis sich der Erfolg eingestellt hat. Als Unternehmer erreicht man Ziele, indem man am Unternehmen arbeitet und nicht im Unternehmen. Wenn ich tagtäglich im Unternehmen im Hamsterrad gefangen bin, habe ich keine Zeit, am Unternehmen zu arbeiten.

5. Wie sieht Ihrer Meinung nach Bildung in Zukunft aus?

John F. Kennedy hat mal gesagt: „Es gibt nur eins, was teurer ist als Bildung: keine Bildung.“ Heute noch viel mehr als vor zehn oder zwanzig Jahren ist lebenslanges Lernen in Betrieben notwendig. Die Unternehmen werden die Nase vorn haben, die ein System der laufenden Mitarbeiterentwicklung etablieren. Das können E-Learning Tools sein; aber es werden auch Präsenzveranstaltungen notwendig sein. Blended Learning und E-Learning wird mehr und mehr kommen. Das ist die Zukunft.

Wir haben eine Zukunftsvision. Wenn ich 20 bis 30 Jahre nach vorne schaue und ich von 8 Milliarden Menschen auf der Welt ausgehe, wird irgendwann das Thema sein, „8 billion curricula“ (8 Milliarden Lehrpläne) zu haben. Das heißt, nicht alle Menschen über einen Kamm zu scheren, nicht jeden durch das gleiche Bildungssystem zu schleusen. Denn jeder steht an einer anderen Stelle. Ein kleiner Traum von mir ist, dass es in Zukunft möglich sein wird, Bildung an jeden Menschen anzupassen. Das bietet sehr große Chancen.

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